Stimmen Sie bei der Wahl richtig ab: Ja zum Sport! Nein zu Olympia!
Im März 2026 gibt es erstmals einen Ratsbürgerentscheid in Dortmund. Alle wahlberechtigten Dortmunder*innen erhalten unaufgefordert die Wahlunterlagen. Und sie – und nur sie! - entscheiden: Soll sich Dortmund - mit 16 weiteren NRW-Kommunen - um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele bewerben?
Die Fraktion Die Linke & Tierschutzpartei sagt: Bitte stimmen Sie beim Ratsbürgerentscheid mit NEIN!
Es gibt viele Argumente gegen Olympische und Paralympische Spiele vor der eigenen Haustür. Sie wurden zusammengetragen von Utz Kowalewski, dem Vorsitzenden der Fraktion Die Linke & Tierschutzpartei:
- Die Pläne zur Bewerbung zu den Olympischen Spielen 2036, 2040, 2044 basieren auf der 2016 zusammen mit den Rhein-Ruhr-Städten gestarteten privatwirtschaftlichen Initiative „Rhein Ruhr City“. Damit ist auch das finanzielle Interesse der Initiatoren bereits umschrieben. Der größte Profiteuer ist allerdings das IOC. Das IOC ist eines der größten privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen der Welt. Es macht Milliardengeschäfte durch Werbeeinnahmen, exklusive Sponsorenverträge, Fernsehübertragungsrechte und die Vermarktung der „Marke Olympia". Das IOC zwingt den Ausrichtern sog. Host-City-Contracts auf, die der Stadt die volle Haftung auferlegen und den IOC von sämtlichen Steuern und Zöllen befreien. Das IOC steht für Bereicherung, Korruption und Demokratiefeindlichkeit zu Gunsten einiger weniger. Die Sozialisierung der Ausgaben und die Privatisierung der Einnahmen ist das Grundprinzip. Das sieht auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages so: „Zur Verwendung der Einnahmen aus den Olympischen Spielen“ (WD 8 - 3000 - 064/24, 27.09.2024).
- Ein finanzielles Konzept zur Durchführung der Spiele liegt für NRW nicht vor. Der Mitbewerber München hat eine Studie im Auftrag gegeben und kommt auf Kosten von rund 20 Mrd. Euro. Eine Schätzung des Ministerpräsidenten Wüst für NRW kommt auf 4,8 Mrd. Euro. Der Unterschied ist augenfällig und nicht realistisch.
- Alleine die Durchführung der Ratsbürgerentscheide in den 17 Kommunen kostet rund 10 Millionen Euro. Für Dortmund sind das 1,8 Millionen Euro, von denen 360.000 Euro alleine von der Stadt zu tragen sind. Über einen solchen Förderbescheid würde sich jeder örtliche Sportverein sehr freuen. Der Rat der Stadt Herten war ursprünglich aus Sorge vor den finanziellen Folgen aus der Olympiabewerbung ausgestiegen. Letztlich sind sie dann dem externen Druck erlegen und haben die Entscheidung revidiert. Das zeigt aber wie umstritten das Projekt ist.
- Die Linke möchte den Breitensport fördern. Der Landessportbund schätzt den Nachholbedarf für den Breitensport und den Schulsport auf 3,6 Mrd. Euro in NRW. Die sogenannte Sportmilliarde des Landes NRW mit der aktuell geworben wird, deckt also nicht mal den Sanierungsstau ab. Positive Auswirkungen auf diese Situation durch Olympia sind nicht zu erwarten. Die Erfahrungen mit Olympischen Spielen sind weltweit, dass durch sie Mieten weiter explodieren, die Verdrängung von sozial benachteiligten Bevölkerungsteilen vorangetrieben wird und die Kommunen auf zusätzlichen Schulden sitzen bleiben. Auch die Folgen für Mensch und Natur, für Klima, Stadtentwicklung, Verkehr und andere Bereiche wären größtenteils negativ. Auch das zeigen die Bilanzen früherer Ausrichter-Städte. Die Linke setzt sich wie auch der Umweltverband BUND dafür ein, dass durch eine Strategische Umweltprüfung die Umweltauswirkungen des Mega-Events systematisch und transparent ermittelt werden.
- Aber auch in verkehrlicher Hinsicht erfüllen die Landesplanungen die Voraussetzungen nicht. Es wird in den Regularien gefordert, dass in maximal einer Stunde alle Sportstätten erreichbar sein müssen. Das olympische Dorf soll in Köln-Chorweiler entstehen. Wer schon einmal versucht hat, von Köln nach Dortmund zu gelangen, erkennt schnell, dass die verkehrlichen Voraussetzungen fehlen. Aber nicht nur die Sportler*innen müssen transportiert werden, sondern auch die Zuschauer*innen, die sich dann mit den Berufspendler*innen in die heute schon überfüllten Regionalzüge quetschen dürfen. In dieser Hinsicht war schon die Fußballeuropameisterschaft für die Region extrem peinlich was die Außendarstellung angeht. Der RRX soll hier Abhilfe schaffen – dieser ist im Bundesverkehrswegeplan aber erst für die 2030 Jahre überhaupt in der Planung. Von da aus dauert er noch lange, bis die Züge endlich rollen können. Wie unzuverlässig die DB beim Ausbau der Infrastruktur ist, zeigt anschaulich das Projekt Stuttgart21.
- Mit Ihrer Stimme sollen die Bürger*innen der Stadt Dortmund und dem Land NRW einen Blankoscheck erteilen. Ungesicherte Finanzen, ungesicherte soziale Auswirkungen und ungesicherte Umweltbelastungen verdienen ihre Stimme nicht. Utz Kowalewski: “Für Ihre eigenen privaten Finanzen würden Sie ja auch niemandem einen Blankoscheck ausstellen. Stimmen Sie daher mit NEIN.”
