Dortmund bald klimaneutral? Wir haben Zweifel
Die EU-Mission „100 klimaneutrale und intelligente Städte“ war eines der vielen Themen in der Ratssitzung am 28. Mai 2026. Dortmund ist Teil dieser EU-Mission und unterstreicht damit – nach eigenen Angaben – „ihren hohen Anspruch an Klimaneutralität und setzt ein klares Signal für ambitionierten Klimaschutz.“
Unser Ratsmitglied Helmut Pruß (Tierschutzpartei) wittert aber eine Glaubwürdigkeitslücke. Hier ist seine Rede:
„Ich finde es sehr gut, dass Dortmund Teil der EU-Mission ist und deswegen Fördermittel bekommt. Wir brauchen dringend Investitionen in Klimaschutz.
Das ganze Papier klingt zwar nach ganz großer Zukunftspolitik. Da ist die Rede von Klimaneutralität bis 2030, Transformation, Innovation und Vorbildfunktion.
Aber jetzt mal ehrlich! Zwischen diesen Papieren und der Realität klafft eine massive Glaubwürdigkeitslücke. Für Dortmund heißt es, dass wir bis 2030 nur 55 Prozent CO₂-Einsparung schaffen würden, obwohl das Ziel bei 80 Prozent liegt. Es wird also zugegeben, dass eine enorme Lücke besteht.
Trotzdem präsentiert sich Dortmund als Vorreiterstadt beim Klimaschutz. Und genau diese Widersprüchlichkeit ist das Problem.
Beim Verkehr geht vieles viel zu langsam. Zu wenig sichere Radwege. Zu langsamer Ausbau des ÖPNV. Und immer noch eine Politik, die dem Auto Vorrang gibt. Selbst beim Ausbau erneuerbarer Energien fehlt es an Tempo.
Und auch bei der Ernährungswende fehlt der nötige Ernst. Dabei erkennt Dortmund im eigenen Dokument deutlich an, dass Ernährung ein zentraler Klimafaktor ist. Dort steht sogar, dass eine vegane Ernährung die ernährungsbedingten Emissionen um bis zu 43 Prozent senken könnte. Wenn das alles bekannt ist!! Warum gibt es bis heute nicht längst in allen städtischen Einrichtungen attraktive pflanzliche Standardgerichte?
Ich habe übrigens zur Klimakrise um eine Stellungnahme im AKUSW vom 3.12.25 gebeten. Bis heute keine Antwort. Das ist mehr als nur ein organisatorisches Problem. Denn wer ständig von „höchster Priorität“ spricht, aber monatelang nicht auf konkrete Nachfragen reagiert, sendet ein fatales Signal.
Das deutet auf schlechte Koordination, mangelnde personelle Ausstattung und eine politische Prioritätensetzung hin, die offenbar noch immer nicht dem Ernst der Lage entspricht.
Die Klimakrise wird auf dem Papier ernst genommen aber im Verwaltungsalltag oft nicht mit der notwendigen Konsequenz behandelt. Während hier vieles im argen liegt, verschärft sich die globale Lage. Island z.B. hat einen möglichen Zusammenbruch der atlantischen Umwälzströmung sogar als nationale Sicherheitsgefahr eingestuft. Wir reden auch nicht nur über ein Umweltproblem, sondern über Risiken für Versorgungssicherheit, Biodiversität, Landwirtschaft und gesellschaftliche Stabilität.
Symbolpolitik ist zu wenig. Entscheidend ist nicht, wie viele Papiere veröffentlicht werden, sondern das konsequent gehandelt wird.
Wir brauchen viel mehr Tempo bei erneuerbaren Energien. Viel mehr Tempo bei der Verkehrswende. Und last but not least endlich viel mehr Tempo bei der Ernährungswende."
