Bauarbeiten an der Messe gehen weiter - Linke & Tierschützer enttäuscht über Umgang mit Gedenkstätte
Für Dortmund war der 9. Juli 2026 aus Sicht der Fraktion Die Linke & Tierschutzpartei kein besonders guter Tag. Die Mehrheit des Rates der Stadt Dortmund hat an diesem Tag eine Entscheidung getroffen, über die die Linken & Tierschützer nicht glücklich sind: die Entscheidung über das Strafgefangenenlager Stalag IV D.
Strafgefangenenlager Stalag IV D – Bauarbeiten für neue Messehallen gehen trotz archäologischer Funde weiter
Schneller Neubau von neuen Messehallen - oder ein Baustopp zugunsten der Ausgrabungen für eine bleibende Gedenkstätte in Erinnerung und Mahnung an das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalag VI D?
Eine gute Stunde diskutierte der Rat der Stadt Dortmund am 9. Juli 2026 über eines der dunkelsten Kapital Dortmunds: das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalag IV D an den Westfalenhallen. Die Reste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers waren während der Bauarbeiten für die neuen Hallen entdeckt und freigelegt worden.
Während sich Grüne + Volt sowie Die Linke & Tierschutzpartei für einen sofortigen Baustopp aussprachen, folgten die Mehrheit von SPD, CDU, FDP und AfD den Forderungen des OB, der – so ist aus einer Akteneinsicht der Grünen bekannt – sich für einen raschen Baufortschritt ausgesprochen hatte. Und nicht nur das: Die Entdeckung, die bereits internationels Interesse ausgelöst hat, solle man „aussitzen“ und bei Anfragen „belanglos antworten“, steht in den Unterlagen der Stadt, die die Grünen öffentlich gemacht haben.
Utz Kowalewski, Vorsitzender der Fraktion Die Linke & Tierschutzpartei zeigte sich entsetzt.
Wie schon in den Jahren 1939 bis 1945 würden aktuell wieder wirtschaftliche Aspekte über Menschenrecht gestellt, kritisierte er. Doch ein Ergänzungsantrag der Linken & Tierschutzpartei, in dem ein Baustopp gefordert wurde, um alle archäologischen Funde umfassen zu dokumentieren, fand keine Mehrheit. Auch der grüne Antrag, die mit den Bauarbeiten verbundenen Maßnahmen zur Abtragung der freigelegten Bodendenkmäler bis zum Beschluss eines ausgearbeiteten Gedenkstättenkonzepts auszusetzen, fand keine breite Zustimmung. Ebenso wenig der grüne Vorschlag, erst ein Gedenk- und Erinnerungskonzept abzuwarten. Beschlossen wurde, die Baumaßnahmen zur Erweiterung der Messehallen voranzutreiben. Immerhin: Die historischen Fundstücke sollen – Zitat: „ an einer angemessenen Stelle zugänglich gemacht werden, soweit sie in Dortmund verbleiben.“
Unser Ratsmitglied Marianne Süßmuth war fassungslos. „Welche Prioritäten setzt hier unsere Stadt? Es sind die falschen. Ein Gedenkort wirkt am stärksten, wo das Verbrechen stattgefunden hat. Und wir brauchen Zeit. Für eine umfassende Untersuchung und einen würdevollen Umgang mit den Opfern.“ Und unser Ratsmitglied Angelika Remiszewski ergänzte: Die Geschichte des Lagers und seiner Menschen müsse am Original-Schauplatz aufgearbeitet und aufbereitet werden - auch aus pädagogischer Sicht. Das unzählige menschliche Leid dürfte nicht unter dem Messe-Trubel verschüttet bleiben.
Carla Neumann-Lieben (SPD) konterte: Zur Dortmunder Geschichte gehörten auch die Gegenwart und die Westfalenhalle. Das bedeute Musik, Information und Fröhlichkeit. Die SPD setze sich für Erinnerung, aber auch für das heutige Leben ein. Eine Gedenkstätte und die Erweiterung der Westfalenhalle, das funktioniere.
Zum Hintergrund:
Während des 2. Weltkriegs sollen im Stalag (Stammlager) IV D rund 300.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus ganz Europa interniert und zur Arbeit gezwungen worden sein. Mindestens 6000 davon sollen aufgrund der schlimmen Haftbedingungen, wegen Misshandlungen, Krankheiten, Unterernährung oder den Folgen der Zwangsarbeit ums Leben gekommen sein.
